Wenn es um lauten Bass, minimalistische Songstrukturen und schnelle 160 Beats per Minute geht, dann weiß der geneigte Fan sofort: Die Sprache ist von Schranz. Bringt man noch ein bisschen Chaos in den Mix, landet man beim Gabber. Aber was genau verbirgt sich hinter diesen beiden Musikarten und wer hört so etwas? Wir haben nachgefragt.

Schranz

Schranz ist im Jahr 1994 in Frankfurt am Main entstanden. Die beiden Radiomoderatoren und DJs Chris Liebing und DJ Toe suchten einen Begriff, mit dem sie ihren eigentümlichen, harten Techno und ihre legendären Partys auf Flyern und Plakaten bewerben konnten. Der Sound zeichnet sich durch stark verzerrte Percussionloops aus, die mit einem schnellen, harten und recht monotonen Beat unterlegt werden. Die Songs sind meist eher düster und erinnern an eine Mischung aus der deutschen Noise-Band Einstürzende Neubauten und dem klassischen Sound von Kraftwerk. Heute ist der Begriff nicht nur in Deutschland geläufig, um die „Neue Deutsche Härte“ des Technos zu beschreiben.

Gabber

Etwa zeitgleich zur süd- und mitteldeutschen Schranz-Szene entwickelte sich in den Niederlanden die Gabber-Szene, die auch schnell auf Ostdeutschland und den Großraum Berlin überschwappte. Gabber ist teilweise noch schneller als Schranz und wird als Untergenre des Hardcore Technos gesehen. Extrem harte, schnelle Beats, die oft mit dem klassischen Roland TR-909 Drumcomputer gemacht werden, treffen hier auf Techno-übliche Songstrukturen und extrem hohe Beats per Minute. Leider wird Gabber auch oft mit politisch rechtsextremen Richtungen in Verbindung gebracht. Die Szene war vor allem in den Niederlanden unpolitisch, jedoch war es dank der szenetypischen Kleidung mit kahlgeschorenem Kopf, Harrington- oder Bomberjacken und Kleidung von Fred Perry, Pitbull oder Lonsdale für viele Nazis in der ehemaligen DDR ein leichtes, sich unter die Fanszene zu mischen und hier neue Mitglieder für ihre Sache zu gewinnen.

Im Jahr 2000 stellte der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalens fest, dass es eine rechtsextreme Randgruppe in der Gabber-Szene Deutschlands gibt.